Zum Konzept der Lernprojektierung

Mit dem Verfahren der Lernprojektierung ist ein Ansatz entwickelt worden, der – wie der Name bereits andeutet – Lernen (und damit auch Lehren) und Projektarbeit miteinander verknüpft. Eigene Lernaufgaben und damit auch Lernprojekte sind hier Teil des bürgerschaftlichen Engagements und damit des (Alltags-) Lebens.

 

Ein Lernprojekt rankt sich um eine selbst gewählte Frage, ein selbst formuliertes Thema, dessen Bearbeitung sich die Lernenden als persönliche Aufgabe stellen – ein kleines eigenes Vorhaben. Zum Wesen der Arbeit mit Lernprojekten gehört, dass zunächst eine klare Ausgangsfrage und ein (Lern-) Ziel definiert werden; dies erfordert von Seiten der Lernenden entsprechende „Suchbewegungen“ (Schäffter, 2002). In der Folge heißt es für sie, systematisch den Weg zu planen, ihn zu beschreiten und auf seine Passgenauigkeit hin zu reflektieren, um ggf. die  vorgesehenen Schritte (oder die ins Auge gefasste Zielsetzung) zu korrigieren und sie so den jeweiligen Gegebenheiten und Notwendigkeiten entsprechend anzupassen. – Lernprojekte werden von konkreten Alltags- und Praxiserfahrungen ausgehend konzipiert. Sie zielen dabei weit über eine  Bildungsveranstaltung hinaus: hin auf eine ganz konkrete Lebens- und Engagementpraxis. Der  Lernweg beinhaltet somit auch alle reflektierten Erfahrungen der Lernenden, den Austausch mit anderen Lernenden innerhalb und zwischen den Kurs-/ Seminareinheiten sowie das Weiterlernen im Praxisalltag im Anschluss an die institutionelle Fortbildung(-sphase).

 

 

 

 

 

Abb. 2: Das Verfahren der „Lernprojektierung“

 

Der Lernprojektierungsansatz ist ein didaktisches Verfahren, das gleichermaßen aus der Perspektive von „Lehrenden“ – im Folgenden als „LernbegleiterInnen“ bezeichnet – wie von Lernenden aus denkt (vgl. Abb. 2): Die LernbegleiterInnen fragen nach der Lerngeschichte der Einzelnen wie der Gruppe und nach den individuellen und gemeinsamen Lernprojekten. Für die Lernenden ist die Lernprojektierung eine Art Zugangsmöglichkeit zum eigenen Lernen – und damit zugleich eine Möglichkeit, das Lernen zu lernen. Lernprojektierung heißt für sie, sich immer wieder neu den Entwicklungsstand ihres Wissens, ihrer Kenntnisse, Kompetenzen und auch Handlungsmöglichkeiten bewusst zu machen, um im Anschluss daran neue Fragen zu stellen, sich neue Lernziele zu setzen und daraus neue persönliche Lernprojekte zu entwickeln. Institutionell organisierte, d.h. gerahmte Lern-/ Lehrarrangements, die an dem LP-Ansatz  ausgerichtet sind, bieten den Lernenden die Möglichkeit zu lernen, wie man das eigene Lernen systematisch plant, reflektiert und daraufhin entsprechend zielgerichtet umsetzt.

 

Der Begriff der Lernprojektierung kann in einem engeren und einem weiteren Sine verstanden werden:

§       Im engeren Sinne stellt das überschaubare institutionelle Lernarrangement (also die Kurs-/ Seminareinheiten) ein „Lernprojekt“ dar. Lernen geschieht hier in einem institutionellen Rahmen, verdichtet und professionell begleitet – ausgerichtet an fünf Leitprinzipien: Selbstbestimmung/ Selbstorganisation, Handlungsorientierung, Netzwerkorientierung,  Werteorientierung/ Sinnbezug, Reflexivität.

§       Im weiteren Sinne können auch Lernvorhaben im Alltag als Lernprojektierung aufgefasst werden.

In ihren folgenden Ausführungen beschränken sich die Verfasserinnen auf Lernprojektierung im engeren Sinne, d.h. innerhalb eines Institutionellen Rahmens. …

 

 

Textauszug aus:

Mörchen, Annette/ Bubolz-Lutz, Elisabeth: Lernprojektierung – Entwicklung von Bürgerkompetenz in institutionell gestützten Lern-/Lehrarrangements. In: Hermann Voesgen (Hrsg.): Brückenschläge. Neue Partnerschaften zwischen institutioneller Erwachsenenbildung und bürgerschaftlichem Engagement. Bielefeld 2006 (Publikation in Vorbereitung)